German version of the 1985 Kairos document by Ben Khumalo-Seegelken

QUELLEN  UND  ZEITZEUGEN

 

Schriftensammlung und Dokumentation

zum Themenkomplex Apartheid, Widerstand und Befreiung

Ben Khumalo-Seegelken

Das Kairos-Dokument  (1985)

 

KAIROS

Ein theologischer Kommentar zur politischen Krise in Südafrika

INHALTSÜBERSICHT

 Vorwort (2004)

Vorwort (1985)

 

  1. Die Stunde der Wahrheit

 

  1. Kritik der „Staatstheologie

 

 

2.1   Römer 13,1-7

2.2   Gesetz und Ordnung

2.3   Die kommunistische Bedrohung

2.4         Der Gott des Staates

 

  1. Kritik der „Kirchentheologie

 

3.1   Versöhnung

3.2   Gerechtigkeit

3.4   Gewaltlosigkeit

3.5         Das Grundproblem

 

  1. Auf dem Weg zu einer prophetischen Theologie

 

4.1         Soziale Analyse

4.2         Unterdrückung in der Bibel

4.3         Gewaltherrschaft in der christlichen Tradition

4.4         Botschaft der Hoffnung

 

  1. Herausforderung zum Handeln

 

5.1         Gott steht auf der Seite der Unterdrückten

5.2         Teilnahme am Kampf

5.3         Veränderung kirchlicher Aktivitäten

5.4         Besondere Aktionen

5.5         Ziviler Ungehorsam

5.6         Geistige Führerschaft

 

Schlussfolgerung

 

 

Unterzeichner des Dokumentes

 

 

 

 

KAIROS

Ein theologischer Kommentar zur politischen Krise in Südafrika·

 

 

Vorwort (2004)

 

Die Feier der Menschen im Südlichen Afrika dazu, dass das Unrecht der Apartheid endlich überwunden wurde und die Geburt des lang ersehnten demokratischen Rechtsstaates, des „neuen Südafrika“, mittlerweile Wirklichkeit geworden ist, spornt Menschen in vielen Ländern der Erde heute dazu an, mitzufeiern: „10 years of freedom! 1994-2004“  – so lange ist es inzwischen schon!

 

Das Gedankengut, mit dem bis dahin versucht wurde, die bewusste Entrechtung und gewaltsame Erniedrigung der einen und die entsprechende Bevorzugung und Bereicherung der andern auf Kosten anderer, Rassismus und Staatsterror für gut zu heißen und als „Wille Gottes“ anzupreisen, ist leider lange noch nicht gänzlich aus der Welt.  Wachsamkeit ist nach wie vor vonnöten, wenn gleichberechtigtes, friedliches Miteinanderleben auch in Zukunft kein Traum mehr bleiben soll.

 

„Wie war es überhaupt möglich, dass … ?“  Verständnislos und zugleich sehr interessiert fragen junge Menschen heute, die die Freilassung Nelson Mandelas und die ersten freien Parlamentswahlen 1994 nur als „Wunder“ deuten zu können meinen, mit welchen Argumenten Menschen damals für und gegen die Apartheid eingetreten sind.  Sie suchen nach den Hintergründen, um jene Denkstrukturen vielleicht erfassen und deren Auswirkungen einordnen und beurteilen zu können.

 

Die Schriftensammlung „Quellen und Zeitzeugen“, die wir mit dem Diskussionspapier „Das KAIROS-Dokument“ eröffnen, soll den Weg zu den Ereignissen, Orten und Personen ebnen, von denen die Unterdrückungs- und Befreiungsgeschichte Südafrikas handelt.  Dies soll das Interesse wach halten und den Gedankenaustausch darüber fördern.

 

Ursprünglich als Handapparat für Teilnehmende am Seminar „Sklaverei und Christentum“ am Evangelisch-theologischen Institut der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg Sommersemester 2004 konzipiert, die Schriftensammlung „Quellen und Zeitzeugen“ stellt inzwischen eine stattliche Auswahl von Dokumenten zur Verfügung. Es sind – u.a. – die Folgenden:

 

° Zum Selbstverständnis des Apartheidstaates 1948-1994 – die Präambel

          zur Verfassung der „Republik Südafrika“ (bis 1994), Dokument 2;

 

° das Gelübde von „Blood River“ (1838), Dokument 3,

 

° eine biblisch-theologische Kritik durch Beyers Naudé und Roelf Meyer

(1971) zum damals gottesdienstlich begangenen burischen `Nationalfeiertag´ 16. Dezember anlässlich der Ausstattung des Monuments am „Blood River“ mit 64 lebensgroßen bronzenen Ochsenwagen 1971: „Geloftedag: Christusfees of Baálfees? `n ope vraag ann Suid-Afrika oor Geloftedag´ (1971), Dokument 4;

 

° eine Auswahl von einleitenden Ausarbeitungen zu den Stichworten:

„Apartheid“, Dokument 5; „Theologische Begründung der Apartheid“, Dokument 6; „Kirchen in Südafrika“, Dokument 7; „Gesetze der Apartheid“, Dokument 8; „Rassendiskriminierung in Südafrika“, Dokument 9; „South African Council of Churches (SACC)“, Dokument 10;  „Black Theology“, Dokument 11;  

 

° sowie eine wissenschaftliche Arbeit von Fritz Hasselhorn

über „Die Hermannsburger Mission in Südafrika im Spiegel des Missionsblattes 1870-1910“ (o.J.), Dokument 12.

 

Den Lehrenden und Studierenden an der Universität Wien sowie an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, denen ich die Anregung zu dieser Schriftensammlung verdanke, wünsche ich weiterhin gesundes Interesse am Zeitgeschehen, wachsende Liebe für die Wahrheit und den langen Atem im Eintreten für Aussöhnung und Frieden.

 

 

Ben Khumalo-Seegelken.

 Vorwort (1985)

 

Das KAIROS-Dokument ist ein christlicher, biblischer und theologischer Kommentar zur politischen Krise im heutigen Südafrika.  Es ist ein Versuch besorgter Christen in Südafrika, über die vom Tod gezeichnete Lage in unserem Land nachzudenken.  Es ist eine kritische Beurteilung der gegenwärtigen theologischen Modelle, die festlegen, in welchen Aktivitäten sich die Kirch engagiert, um die Probleme des Landes zulösen.  Es ist ein Versuch, aus dieser verworrenen Situation heraus ein alternatives biblischen und theologischen Modelle, die festlegen, in welchen Aktivitäten sich die Kirche engagiert, um die Probleme des Landes zu lösen.  Es ist ein Versuch, aus dieser verworrenen Situation heraus ein alternatives biblisches und theologisches Modell zu entwickeln, das seinerseits zu Aktivitäten führen wird, welche die Zukunft unseres Landes nachhaltig und richtungsweisend beeinflussen können.

 

Wie dieses theologische Material zusammengetragen wurde, dürfte von besonderem Interesse sein.  Als sich im Juni 1985 die Krise im ganzen Land zuspitzte, als immer mehr Menschen getötet, verstümmelt und ins Gefängnis geworfen wurden, als eine schwarze Township nach der anderen sich gegen das Apartheidregime auflehnte, als sich die Menschen – täglich den Tod vor Augen -, gegen die Unterdrückung wehrten und sich weigerten, mit den Unterdrückern zu kooperieren, und als die Armee der Apartheid in die Townships einrückte, um mit Gewehren ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten, trafen sich über die Situation besorgte Theologen mit dem dringenden Bedürfnis, sich nachhaltig mit der Lage zu befassen und darüber nachzudenken, welches die richtige und angemessene Reaktion der Kirche und aller Christen in Südafrika sein müsste.

 

Eine erste Diskussionsgruppe traf sich Anfang Juli mitten in Soweto.  Die Teilnehmer sprachen sich offen über die Lage und die verschiedenen Reaktionen der Kirche, der Kirchenführer und der Christen überhaupt aus.  Es erfolgte eine kritische Überprüfung dieser Reaktionen; ebenso wurde die Theologie, die diesen Reaktionen zugrunde lag, einer kritischen Analyse unterzogen.  Einzelne aus der Gruppe wurden beauftragt, Material zu besonderen Themen, die während der Diskussion aufkamen, zu sammeln und dieses bei der nächsten Sitzung der Gruppe vorzulegen.

 

Bei der zweiten Sitzung wurde dieses Material wiederum kritisch durchgesehen, und verschiedene Personen wurden beauftragt, besonders problematische Bereiche noch weiter zu untersuchen.  Die vorgelegten Untersuchungsergebnisse wurden mit dem übrigen Material zusammengestellt und in der dritten Sitzung  vorgestellt, bei der mehr als 30 Theologen, Laientheologen und einige Kirchenführer anwesend waren.

 

Nach sehr ausführlicher Diskussion wurde einiges berichtigt und hinzugefügt, besonders in dem Abschnitt „Herausforderung zum Handeln“.  Dann berief die Gruppe einen Ausschuss, der den Auftrag erhielt, das Dokument weiteren christlichen Gruppierungen im ganzen Land zur Beurteilung vorzulegen.  Allen wurde deutlich gemacht, dass dies „ein vom Kirchenvolk verfasstes Dokument sei, das sich jeder zu eigen machen könne, selbst wenn er es kritisch zerpflücke – vorausgesetzt, sein Standpunkt könne dem Test biblischen Glaubens und christlicher Erfahrung in Südafrika standhalten.“  Außerdem wurde gesagt, dies sei ein Dokument mit offenem Ende, das niemals endgültig genannt werden dürfe.

 

Der „Arbeitsausschuss“, wie man ihn nannte, wurde von den verschiedensten Gruppierungen und Einzelpersonen überall im Lande mit Kommentaren, Vorschlägen und begeisterter Zustimmung überflutet.   Noch am 13. September 1985, als das Dokument zur Veröffentlichung freigegeben wurde, kamen ständig neue Anregungen und Empfehlungen hinzu.  Diese erste Veröffentlichung muss demnach als ein erster Schritt gewertet werden, als Grundlage für ale Christen im Land zur weiteren Diskussion.  Weitere Ausgaben werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

 

 

KAPITEL  EINS

 

DIE  STUNDE  DER  WAHRHEIT

 

Die Zeit ist gekommen, die Stunde der Wahrheit ist da.  Südafrika ist in eine Krise gestürzt worden, die unsere Fundamente erschüttert.  Alle Anzeichen sprechen dafür, dass diese Krise eben erst begonnen hat, das sie sich vertiefen und in den kommenden Monaten noch bedrohlichere Ausmaße annehmen wird.  Es ist dies der KAIROS  oder die Stunde der Wahrheit,  nicht nur für die Apartheid, sondern  auch für die Kirche.

 

Als Theologen haben wir versucht, die theologische Bedeutung dieses in die Tat sehr ernsten Augenblicks unserer Geschichte zu verstehen.  Für sehr viele Christen in Südafrika ist dies der KAIROS, die Stunde der Gnade und der Möglichkeiten, die angenehme Zeit, in der Gott uns zu verschiedenem Handeln herausfordert.  Es ist ein gefährlicher Augenblick, denn wird diese Chance verpasst und nehmen wir sie nicht wahr, wird der Verlust für die Kirche, für das Evangelium und für alle Menschen Südafrikas unschätzbar sein.  Jesus weinte über Jerusalem.  Er weinte, weil die Zerstörung der Stadt und das große Sterben ihrer Bewohner unmittelbar bevorstand, „darum, dass du nicht erkannt hast die Zeit (KAIROS), darin du heimgesucht bist“ (Lukas 19,44).

 

Eine Krise ist ein Urteilsspruch, der einige zum Besten und andere zum Schlimmsten anspornt.  Eine Krise ist die Stunde der Wahrheit, in der deutlich  wird, wer wir wirklich sind.  Da gibt es kein Verstecken mehr und keine Möglichkeit vorzutäuschen, was wir sind. Diese entscheidende Zeit in Südafrika wird offenbar machen, was die Kirch ein Wirklichkeit ist, und kein Vertuschen wird mehr möglich sein.

 

Obwohl es vielen von uns schon immer deutlich war, zeigt die gegenwärtige Krise, dass die Kirche gespalten ist.  Immer mehr Menschen geben heute zu, dass es in der Tat zwei Kirchen in Südafrika gibt – eine Weiße Kirche und eine Schwarze Kirche-  Selbst innerhalb derselben Denomination gibt es in Wirklichkeit zwei Kirchen.  In der sich jetzt in Südafrika zuspitzenden tödlichen Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen sozialen Kräften stehen Christen (oder jedenfalls Menschen, die sich Christen nennen) auf beiden Seiten des Konfliktes; andere versuchen, ihren Platz zwischen den Fronten zu bewahren.

 

Beweist dies, dass der christliche Glaube bedeutungslos und nicht relevant für unsere Zeit ist?  Zeigt dies, dass man die Bibel jedem Zweck dienlich machen kann?  – Derlei Probleme wären für die Kirche unter beliebigen Umständen gefährlich genug.  Doch zieht man in Betracht, das sich der Konflikt in Südafrika zwischen Unterdrückern und Unterdrückten abspielt, dann verschärft sich die Krise für die Kirche als Institution um noch vieles mehr.  Sowohl Unterdrücker als auch Unterdrückte nehmen für sich Loyalität zu ein und derselben Kirche in Anspruch.  Beide sind in derselben Taufe getauft und brechen dasselbe Brot des Leibes und Blutes Jesu Christi.  Währen wir in ein und derselben Kirche sitzen, werden draußen christliche Kinder von christlichen Polizisten geschlagen und umgebracht; christliche Gefangene werden zu Tode gefoltert, während wieder andere Christen dabeistehen und kraftlos zum Frieden ausrufen.

 

Die Kirche ist gespalten, und ihr Tag des Gerichts ist angebrochen.

 

Die Stunde der Wahrheit hat uns herausgefordert, die unterschiedlichen Theologien unserer Kirche zu analysieren und eindeutige und mutige Aussagen zur tatsächlichen Bedeutung dieser Theologien zu machen.

 

Wir unterschieden drei Theologien, die wir als „Staatstheologie“, „Kirchentheologie“ und „Prophetische Theologie“ klassifiziert haben. In unserer durchgängigen Kritik der beiden ersteren Theologien wollen wir kein Blatt vor den Mund nehmen; dafür ist die Lage zu ernst. 

 

KAPITEL  ZWEI

 

KRITIK  DER   „STAATSTHEOLOGIE

 

Der Apartheidstaat Südafrika hat seine eigene Theologie, und wir haben uns dafür entschieden, sie „Staatstheologie“ zu nennen. Die „Staatstheologie“ ist ganz einfach die theologische Rechtfertigung des status quo, der Rassismus, Kapitalismus und Totalitarismus in sich vereint.  Sie segnet die Ungerechtigkeit, mach den Willen der Machthaber zur alleinigen Richtschnur und verurteilt die Armen zu Passivität, Gehorsam und Apathie.

 

Auf welche Weise geht die „Staatstheologie“ vor? Sie missbraucht theologische Konzepte und biblische Texte für ihre eigenen politischen Ziele.  In diesem Dokument möchten wir auf vier Schlüsselbeispiele dieser Praxis in Südafrika aufmerksam machen.  Das erste ist der Gebrauch von Römer 13,1-7, womit dem Staat absolute und „göttliche“ Autorität zugestanden werden soll.  Das zweite ist der Gebrauch des Begriffs „Recht und Ordnung“  (Law and Order), mit Hilfe dessen festgelegt und kontrolliert wird, was das Volk als gerecht bzw. ungerecht ansehen darf.  Das dritte Beispiel ist der Gebrauch des Wortes „Kommunist“, um jeden zu brandmarken, der sich gegen die „Staatstheologie“ ausspricht, und schließlich ist die Art und Weise zu nennen, wie mit dem Namen Gottes umgegangen wird.

 

2.1         Römer 13,1-7

 

Der Missbrauch dieses berühmten Textes beschränkt sich keineswegs nur auf die gegenwärtige Regierung Südafrikas.  Im Laufe der Geschichte der Christenheit haben schon immer totalitäre Regime versucht, unter Berufung auf diesen Text blinden Gehorsam und absolute Unterwürfigkeit gegenüber dem Staat zu legitimieren.  Der Bekannte Theologe Oscar Cullmann wies vor dreiß9g Jahren darauf hin:

 

„Sobald Christen aufgrund ihrer Loyalität zum Evangelium Jesu dem totalitären Anspruch eines Staates Widerstand leisten, pflegen die Vertreter des Staates oder ihre theologischen Berater und Kollaborateure, sich auf diesen Ausspruch von Paulus zu berufen, als sei den Christen hier empfohlen, alle Verbrechen eines totalitären Staates zu billigen und ihnen Vorschub zu leisten.“

(Übers.  aus „The State in the New Testament, SCM 1957, S. 56)

 

Doch wie ist dann Römer 13,1-7 zu verstehen und warum ist der Gebrauch dieser Aussage seitens der “Staatstheologie” von einem biblischen Standpunkt aus gesehen nicht zu rechtfertigen?

 

Die „Staatstheologie“ geht davon aus, dass Paulus in diesem Text uns die absolute und endgültige christliche Doktrin über den Staat vorlegt, in anderen Worten: ein absolutes und allgemein gültiges Prinzip, das in allen Zeiten und unter allen Umständen von gleichbleibender Gültigkeit sei. Viele Bibelwissenschaftler  haben nachgewiesen, wie falsch diese Annahme ist. (z.B. Ernst Käsemann, Commentary on Romans, SCM, S. 345-347; O. Cullmann, The State in the New Testament, SCM, S. 55-57).

 

Hier wurde eines der grundlegendsten Prinzipien der Bibelauslegung übersehen:  Jeder Text muss in seinem Kontext ausgelegt werden.  Einen Text aus seinem Kontext herauszulösen und ihn im Abstrakten auszulegen heißt, die Bedeutung von Gottes Wort zu verzerren.  Unter Kontext sind hier nicht nur die vorsausgehenden oder nachstehenden Verse und Kapitel eines Textes zu verstehen, noch begrenzt er sich auf die ganze Bibel überhaupt.  Der Kontext berücksichtigt auch die Umstände, unter denen Paulus diese Aussage gemacht hat.  Der Brief des Paulus war an eine ganz bestimmte christliche Gemeinde in Rom gerichtet, die zu jener Zeit und unter den damaligen Umständen ihre eigenen und spezifischen Probleme in ihrer Beziehung zum Staat hatte.  Dies alles gehört zum Kontext dieser Aussage.

 

Viele Autoren haben darauf hingewiesen, dass Gott nirgendwo sonst in der Bibel verlangt, sich gehorsam Unterdrückern zu unterwerfen.  Genügend Beispiele können angeführt werden, von den Pharaonen bis Pilatus und weiter bis in die Zeiten der Apostel.  Die Juden und später die Christen glaubten nicht daran, dass ihre mächtigen Beherrscher, die Ägypter, Babylonier, Griechen oder Römer, irgendein von Gott gegebenes Recht hatten, über sie zu herrschen und sie zu unterdrücken.  Diese Reiche waren die im Buch Daniel und in der Offenbarung beschriebenen Tiere. Gott ließ es zu, dass sie eine gewisse Zeit herrschten, doch er billigte ihr Tun nicht.  Es war nicht Gottes Wille.  Sein  Wille war die Freiheit und Befreiung Israels. Römer 13,1-7 kann nicht im Widerspruch zu all dem stehen.

 

Doch am aufschlussreichsten sind die Umstände, unter denen die römischen Christen lebten, als Paulus ihnen schrieb.  Sie waren keineswegs Revolutionäre. Sie versuchten nicht, den Staat zu stürzen. Sie forderten keinen Regierungswechsel.  Man hat sie als „Antinomer“ oder als „Enthusiasten“ bezeichnet, und sie Glaubten, dass Christen als einzige von der Pflicht entbunden seien einem Staat, einer Regierung oder jedweder politischen Autorität zu gehorchen, weil allein Jesus Christus ihr Herr und König sei.  Das ist natürlich häretisch, und Paulus fühlte sich verpflichtet, diese Christen darauf hinzuweisen, dass es vor der Wiederkunft Christi stets irgendeine Staatsgewalt oder weltliche Regierung geben würde und dass Christen nicht von der Pflicht entbunden seien, sich politischer Obrigkeit unterzuordnen.

 

Paulus spricht weder die Frage einer gerechten bzw. ungerechten Staatsordnung an, noch die Notwendigkeit, eine Regierung gegen eine andere auszuwechseln.  Er stellt nur klar, dass es immer eine Art weltlicher Autorität geben wird, und dass Christen als solche nicht von der Pflicht entbunden sind, sich weltlichen Gesetzen und Obrigkeiten unterzuordnen.  Er sagt nichts darüber, wie Christen sich verhalten sollen, wenn der Staat keine Gerechtigkeit walten lässt und Unterdrückung praktiziert.  Das ist eine andere Frage.

 

Infolgedessen erweisen jene Paulus einen schlechten Dienst, die auf die sehr andersartigen Fragen und Probleme unserer Zeit in Römer 13,1-7 Antworten zu finden suchen. Der Gebrauch, den die „Staatstheologie“ von diesem Text macht, sagt mehr über die politischen Ziele derer aus, die diese Theologie konstruiert haben, als über die Bedeutung von Gottes Wort in diesem Text. Ein Bibelwissenschaftler hat es folgendermaßen ausgedrückt:

 

„Wichtigstes Anliegen ist es, die Interessen des Staates zu rechtfertigen, und der Text wird ohne Rücksichtnahme auf den Kontext und die Intentionen des Paulus in den Dienst des Staates gezwungen.“

 

Wenn wir in einer Situation, in welcher der Staat, der nach Römer 13,6 „Gottes Diener“ sein soll, diese Berufung verrät und statt dessen im Dienst des Satans steht, nach richtungsweisender Führung in der Bibel suchen, können wir das 13. Kapitel der Offenbarung studieren.  Hier wird der römische Staat zum Diener des Drachen (des Teufels) und nimmt die Gestalt eines schrecklichen Untiers an. Seine Tage sind gezählt, denn Gott wird es nicht zulassen, dass sein ungetreuer Knecht für immer regiert.

 

 

2.2         Gesetz und Ordnung

 

Der Staat bedient sich des Begriffs von „Gesetz und Ordnung2 (Law and Order), um den status quo, den er als normal bezeichnet, aufrechtzuerhalten.  Doch dieses Gesetz bedeutet die ungerechten und diskriminierenden Apartheidgesetze und diese Ordnung die organisierte und institutionalisierte Un-Ordnung der Unterdrückung.  Jedem der diese Ordnung verändern will, wird bedeutet, er sei gesetzlos und füge sich nicht der Ordnung.  Anders gesagt: Man vermittelt ihm das Gefühl, er habe sich einer Sünde schuldig gemacht.

 

In der Tat ist es Pflicht des Staates, Recht  und Ordnung aufrechtzerhalten, doch er hat keinen göttlichen Auftrag, irgendein beliebiges Gesetz oder eine beliebige Ordnung aufrechtzuerhalten.  Eine Sache wird nicht moralisch und gerecht, nur weil der Staat sie zum Gesetz erklärt hat; und die Organisation einer Gesellschaft stellt keine gerechte und rechtmäßige Ordnung dar, nur weil sie vom Staat eingesetzt wurde.  Wir dürfen nicht irgendein beliebiges Gesetz und eine beliebige Ordnung akzeptieren.  Das Anliegen der Christen ist die Schaffung eines gerechten Gesetzes und einer rechtmäßigen Ordnung in unserem Land.

 

In der gegenwärtigen Krise und insbesondere während des Ausnahmezustandes hat die „Staatstheologie“ versucht, den status quo der geordneten Diskriminierung, Ausbeutung und Unterdrückung durch einen Appell an das Gewissen der Bürger im Namen von Gesetz und Ordnung wiederherzustellen.  Sie versucht, jenen, die dieses Gesetz und diese Ordnung ablehnen, das Gefühl zu geben, sie seien gottlos.  Der Staat reißt hier nicht nur das Recht der Kirche an sich, über Recht und Gerechtigkeit in unserer Lage zu urteilen, er geht sogar noch weiter und fordert von uns im Namen von Gesetz und Ordnung einen Gehorsam, der allein Gott gebührt.  Der südafrikanische Staat anerkennt keine höhere  Autorität über sich, und deshalb wird er nicht zulassen, dass man in Frage stellt, was er als „Gesetz und Ordnung“ festgelegt hat.  Dennoch gibt es heute Millionen von Christen in Südafrika, die mit Petrus sagen: „Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen“. (Apg. 5,29)

 

2.3         Die kommunistische Bedrohung

 

Wir alle wissen, wie der südafrikanische Staat von dem Etikett „Kommunist“ Gebrauch macht.  Alles, was den status quo bedroht, wird als „kommunistisch“ bezeichnet.  Jeder, der sich dem Staat wiedersetzt, und insbesondere jeder, der seine Theologie ablehnt, wird ganz einfach als „Kommunist“ abgetan.  Von dem, was Kommunismus wirklich bedeutet, wird keinerlei Notiz genommen.  Kein Gedanke wird darauf verwandt, warum sich in der Tat Menschen für den Kommunismus oder irgendeine Form des Sozialismus entscheiden. Selbst Mensche, die keineswegs den Kapitalismus ablehnen, werden als „Kommunisten“ bezeichnet, sobald sie die “Staatsttheologie“ ablehnen.  Der Staat benutzt das Etikett „Kommunist“ unkritisch und unreflektiert als sein Symbol des Bösen.

 

Wie jede andere Theologie muss auch die „Staatstheologie“ ihr eigenes konkretes Symbol für das Bösehaben.  Sie muss ihre eigene Version der Hölle haben.  Und so hat sie den Mythos des Kommunismus erfunden – oder vielmehr übernommen.  Alles Böse ist kommunistisch, und alle kommunistischen oder sozialistischen Ideen sind atheistisch und gottlos.  Drohungen mit dem Fegefeier und ewiger Verdammnis werden durch drohende Warnung vor dem Schrecken eines tyrannischen, totalitären, atheistischen und terroristischen kommunistischen Regimes – einer Art Hölle auf Erden – ersetzt.  Es ist ein sehr zweckdienliches Mittel, Menschen so sehr Furcht einzujagen, dass sie bereit werden, von Seiten einer kapitalistischen Minderheit jede Art von Herrschaft und Ausbeutung zu akzeptieren.

 

Der südafrikanische Staat hat seine eigne häretische Theologie, und nach den Kriterien dieser Theologie werden Millionen von Christen in Südafrika (ganz zu schweigen vom Rest der Welt), als „Atheisten“ eingestuft.  Es ist bedeutsam dass in früheren Zeiten, als die Christen die Götter des Römischen Reiches ablehnten, sie vom Staat als „Atheisten“ gebrandmarkt wurden.

 

2.4         Der Gott des Staates

 

Als Mittel zur Unterdrückung des Volkes benutzt der Staat immerund immer wieder den Namen Gottes.  Militärpfarrer benutzen ihn, um den südafrikanischen Streitkräften Mut zuzusprechen, und Kabinettsminister benutzen ihn in ihren Propagandareden.   Doch am bezeichnendsten ist vielleicht der gotteslästerliche Missbrauch von Gottes heiligem Namen, der sich in der Präambel zu der neuen Apartheidverfassung findet:

 

„In demütigem Gehorsam gegen den Allmächtigen Gott, der die Geschicke der Nationen und die Geschichte der Völker lenkt, der unsere Vorväter aus vielen Ländern zusammengeführt und ihnen diese Land zu eigen gegeben hat, der sie geführt hat von Generation zu Generation, der sie auf wunderbare Weise aus den Gefahren, die sie bedrohten, errettet hat …“

 

Dieser Gott ist ein Götze.   Er ist ebenso arglistig, unheilvoll und böse wie irgendeiner der Götter, mit denen sich die Propheten Israels auseinander zu setzen hatten.  Hier haben wir es mit einem Gott zu tun, der im Verlauf der Geschichte immer auf Seiten der weißen Siedler war, der die schwarzen Menschen ihres Landes beraubt und der den größten Teil des Landes seinem „auserwählten Volk“ zuspricht.

 

Es ist der Gott der überlegenen Waffen, der jene besiegte, die mit nichts als Speeren bewaffnet waren.  Es ist der Gott der „casspirs“* und „hippos“*, der Gott von Tränengas, Gummigeschossen, Nilpferdpeitschen, Gefängniszellen und Todesurteilen.  Hier ist ein Gott, der die Hoffärtigen erhebt und die Armen erniedrigt – das genaue Gegenteil von dem Gott der Bibel; er „zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn, er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“ (Lukas 1,51-52).  Das Gegenteil vom Gott der Bibel ist aus theologischer Sicht der Teufel, der Satan.  Der Gott des südafrikanischen Staates ist nicht nur ein Götze oder falscher Gott, es ist der Teufel in der Maske des Allmächtigen Gottes – der Antichrist.

 

Für Christen wird dieses Regime der Unterdrückung stets besonders verabscheuungswürdig sein, eben deswegen, weil es das Christentum benutzt, um sein vom Bösen bestimmtes Handeln zu rechtfertigen.  Als Christen können und dürfen wir diesen lästerlichen Gebrauch vom Namen Gottes und seinem Wort nicht tolerieren.  Die „Staatstheologie“ ist nicht nur häretisch, sie ist blasphemisch.  Christen, die versuchen, dem Gott der Bibel treue zu bleiben, sind entsetzt darüber, dass es Kirchen wie die weiße „Holländisch Reformierte Kirche“ und andere christliche Gruppen gibt, die sich tatsächlich dieser häretischen Theologie verschrieben haben.  Die “Staatstheologie“ braucht ihre eigenen Propheten und findet sie in den Reihen derer, die sich in einigen unserer Kirchen als Verkünder von Gottes Wort bezeichnen.  Für Christen ist es besonders tragisch, mit anzusehen, wie viele Menschen sich von diesen falschen Propheten und ihrer häretischen Theologie verwirren und zum Narren halten lassen. 

KAPITEL  DREI

 

KRITIK  DER  „KIRCHENTHEOLOGIE

 

Wir haben die Erklärung analysiert, die von Zeit zu Zeit von den sogenannten englischsprechenden Kirchen abgegeben werden.  Wir haben gelesen, was Kirchenführer in ihren Reden und Presseerklärungen zum Apartheidregime und zur gegenwärtigen Krise zu sagen pflegen.  In all diesen Verlautbarungen sind wir auf eine Reihe im Zusammenhang stehender theologischer Auffassungen gestoßen.  Wir haben uns entschlossen, diese Auffassungen „Kirchentheologie“ zu nennen.  Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass diese Theologie nicht dem Glauben der Mehrheit der Christen Südafrikas, die den größeren Teil der meisten unserer Kirche ausmacht, entspricht.  Wie dem auch sei, die von den Kirchenführern geäußerten Ansichten werden in dien Medien und allgemein in unserer Gesellschaft als die offizielle Meinung der Kirchen verstanden.  Deshalb haben wir uns dafür entschieden, diese Ansichten „Kirchentheologie“ zu nennen.  Die heutige  Krise jedoch fordert uns dazu heraus, diese Theologie in Frage zu stellen, ihrer vorausgesetzten Annahmen in Frage zu stellen, ebenso ihre Implikationen und praktische Durchführbarkeit.

 

Diese Theologie übt begrenzte, zurückhaltende und vorsichtige Kritik an der Apartheid.  Ihre Kritik ist jedoch oberflächlich und bewirkt das Gegenteil.  Denn anstatt eine tiefgreifende Analyse der Zeichen unserer Zeit vorzunehmen, verlässt sie sich auf einige wenige, aus dem Vorrat christlicher Tradition entnommene Begriffe, und wendet diese wiederholt und unkritisch auf unsere Situation an.  Begriffe, die von Kirchenführern benutzt werden und die wir an dieser Stelle untersuchen wollen, sind: Versöhnung (oder Frieden), Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit.

 

3.1         Versöhnung

 

Für die „Kirchentheologie“ gilt „Versöhnung“ als Schlüssel zur Problemlosung.  Sie spricht von der Notwendigkeit der Versöhnung zwischen Weiß und Schwarz bzw. zwischen allen Südafrikanern.  Die „Kirchentheologie“ pflegt den christlichen Standpunkt oft folgendermaßen zu beschrieben: „Wir müssen fair sein.  Wir müssen beide Seiten hören.  Wenn sich beide Seiten nur zu Gesprächen zusammensetzen würden und miteinander verhandeln, dann wird man Differenzen und Missverständnisse ausräumen und den Konflikt beilegen.“  – Das mag sich nach außen hin sehr christlich anhören, doch ist es das in Wirklichkeit?

 

Der Trugschluss hierbei liegt in der Tatsache, dass „Versöhnung“ zu einem absoluten Prinzip gemacht worden ist, das in allen Konfliktfällen und bei jeder Meinungsverschiedenheit angewandt werden muss.  Doch nicht alle Konfliktfälle gleichen sich.  Man stelle sich einen privaten Streitfall zwischen zwei Personen oder Gruppen vor, der aus Missverständnissen entstanden ist.  In einem solchen Fall ist es angemessen, Gespräche und Verhandlungen zu führen, um die Missverständnisse auszuräumen und die beiden Seiten miteinander zu versöhnen.

 

Doch gibt es auch andere Konflikte, in denen die eine Seite recht hat und die andere im Unrecht ist.  Es gibt Konflikte, in denen die eine Seite ein voll bewaffneter und gewaltsam vorgehender Unterdrücker ist, während die andere Seite wehrlos der Unterdrückung ausgesetzt ist.  Es gibt Konflikte, die nur als Kampf zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, zwischen Gut und böse, zuwische Gott und dem Teufel bezeichnet werden können.  Diese beiden Seiten versöhnen zu wollen, ist nicht nur eine falsch verstandene Anwendung des christlichen Begriffs der Versöhnung, sondern ein völliger Verrat an dem, was der christliche Glaube überhaupt bedeutet.  Nirgendwo in der Bibel oder in der christlichen Tradition ist jemals der Gedanke aufgetaucht, dass wir eine Versöhnung erreichen sollten zuwischen Gut und Böse, zwischen Gott und dem Teufel.  Es ist uns aufgetragen, das Böse, die Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Sünde zu überwinden – nicht uns damit zu arrangieren.  Wir müssendem Teufel Widerstand leisten, ihn konfrontieren und ihn von uns  weisen, und nicht versuchen, uns mit ihm an einen Tisch zu setzen.

 

In unserer heutigen Lage in Südafrika wäre es ganz und gar unchristlich, um Versöhnung und Frieden zu bitten, ehe nicht die bestehenden Ungerechtigkeiten beseitigt sind.  Jede derartige Bitte spielt in die Hand der Unterdrücker, weil sie versuch, uns als Unterdrückte dazu zu bewegen, die Unterdrückung zu bejahen, und uns mit den unerträglichen Verbrechen, die gegen uns begangen werden, auszusöhnen.  Dies ist nicht christliche Versöhnung, es ist Sünde.  Diese Einstellung würde uns auffordern, Komplizen  unserer eigenen Unterdrückung, Diener des Teufels zu werden.  Ohne Gerechtigkeit ist in Südafrika keine Versöhnung möglich.

 

Dies bedeutet in der Praxis, dass ohne Buße weder Versöhnung noch Vergebung noch Verhandlungen möglich sind.  Die biblische Lehre von Versöhnung und Vergebung stellt eindeutig klar, dass nur der Vergebung empfangen und mit Gott versöhnt sein kann, der wegen seiner Sünden Buße tut.  Ebenso wenig wird von uns erwartet, dem unbußfertigen Sünder zu vergeben.  Wenn er Buße tut, müssen wir bereit sein, ihm sieben Mal siebzig mal zu vergeben; doch ehe dies geschieht, müssen wir denen, die sich an uns versündigen, Buße predigen.  Versöhnen, vergeben und verhandeln wird erst dann in Südafrika unsere Pflicht als Christen sein, wenn das Apartheidregime Anzeichen echter Buße zeigt.  Die kürzlich von P.W. Botha in Durban gehaltene Rede, die fortgesetzten militärischen Repressionen gegen die Bevölkerung in den Townships und die Festnahme aller Regierungsgegner sind eindeutiger Beweis für das Fehlen jeglicher Bußfertigkeit auf Seiten des gegenwärtigen Regimes.

 

Nichts wünschen wir mehr als wahre Versöhnung und echten Frieden – den Frieden, den Gott gibt, und nicht den Frieden, den die Welt gibt (Joh. 14,27).  Der Frieden, den Gott gibt, steht auf der Grundlage von Wahrheit, Buße, Gerechtigkeit und Liebe.  Der Frieden, den die Welt uns anbietet, ist eine Einigkeit, welche die Wahrheit aufs Spiel setzt, Ungerechtigkeit und Unterdrückung vertuscht und nur von selbstsüchtigem Eigeninteresse motiviert ist.  So wie Jesus es getan hat, müssen auch wir jetzt diesen falschen Frieden entlarven, unsere Unterdrücker konfrontieren und Zwietracht säen.  Als Christen müssen wir mit Jesus sagen: „Meint ihr, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden?  Ich sage: Nein, sondern Zwietracht“ (Lukas 12,51).  Ohne Gerechtigkeit und Buße kann es keinen echten Frieden geben.

 

Es wäre falsch, „Frieden“ und “Einigkeit“ um jeden Preis erhalten zu wollen, bis hin zu dem Preis von Wahrheit und Gerechtigkeit – und noch schlimmer: um den Preis von Tausenden junger Menschenleben.  Als Jünger Jesu sollten wir uns vielmehr um jeden Preis für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzen, selbst um den Preis, auf unserem Weg Streit, Uneinigkeit und Zwietracht zu säen.  Wollen unsere Kirchenführer dem Wort der Bibel wahrhaft gerecht werden, dann müssen sie sich eine Theologie zu eigen machen, die sich Millionen von Christen bereits zu eigen gemacht haben – nämlich die biblische Theologie der direkten Konfrontation mit den Kräften des Bösen, anstatt einer Theologie der Versöhnung mit der Sünde und dem Teufel.

 

 

 

3.2         Gerechtigkeit

 

Es wäre falsch, den Eindruck zu vermitteln, die „Kirchentheologie“ in Südafrikahabe den Ruf nach Gerechtigkeit nicht zu ihrem besonderen Anliegen gemacht.  Sie hat sehr nachhaltig und sehr aufrichtig Gerechtigkeit gefordert.  Doch an dieser Stelle muss die sehr ernste theologische Frage gestellt werden: Um welche Gerechtigkeit handelt es ich dabei?  Eine Überprüfung der kirchlichen Erklärungen und Verlautbarungen hinterlässt den eindeutigen Eindruck, dass eine Gerechtigkeit der Reformen gemeint ist, das heißt, eine Gerechtigkeit, die von dem Unterdrücker, von der weißen Minderheit festgelegt und dem Volk als eine Art Zugeständnis angeboten werden sollte.  Es scheint nicht die radikale Gerechtigkeit  zu sein, die von unten kommt und über die das Volk Südafrikas selbst entschiedet.

 

Einer der Hauptgründe, der zu dieser Schlussfolgerung führte, ist die einfache Tatsache, dass fast alle kirchlichen Erklärungen und Aufrufe an den Staat oder die weiße Bevölkerung gerichtet sind.  Man scheint von der Annahme auszugehen, dass Veränderungen von den Weißen oder zumindest von denen kommen müssen, die ganz oben sind.  Im Großen und ganzen scheint man der Meinung zu sein, man brauche nur an das Gewissen und den guten Willen derer zu appellieren, die für die Ungerechtigkeit in unserem Land verantwortlich sind; haben diese einmal ihre Sünden erkannt, Buße getan und sich mit anderen beraten, dann werden sie die notwendigen Reformen des Systems  durchführen.  Warum sonst sollten Kirchenführer Gespräche mit P.W. Botha führen, wenn dies nicht ihre Vision einer gerechten und friedlichen Lösung unserer Probleme wäre?

 

Im Mittelpunkt dieser Auffassung steht die Erwartung, dass sich durch „persönliche Bekehrung“ als Antwort auf 2moralische Appelle“ die Strukturen der Gesellschaft verändern werden.  Dieses Muster hat bis heute nicht funktioniert und wird es auch in Zukunft nicht tun.  Die gegenwärtige Krise mit ihrer Brutalität, Grausamkeit und gefühllosen Härte ist Beweis genug für die Wirkungslosigkeit jahrelangen „Moralisierens“ über die Notwendigkeit zu leiben.  Bei dem Problem, mit dem wir uns hier in Südafrika auseinandersetzen, geht es nicht nur um persönliche Schuld, sondern um strukturelle Ungerechtigkeit.

 

Tag für Tag leiden Menschen, werden zu Krüppeln geschlagen, werden umgebracht und gefoltert.  Wir dürfen es uns nicht bequem machen und darauf warten, dass der Unterdrücker eines Tages das Licht erkennen möge, damit die Unterdrückten dann die Hand ausstrecken und ihn um  die Brosamen einiger kleiner Reformen bitten könnten.  Das wäre in sich selbst entwürdigend und würde der Unterdrückung Vorschub leisten.

 

Reformen sind eingeführt worden, und ohne Zweifel wird es in der nahen Zukunft noch weitere Reformen geben.  Es mag sehr wohl sein, dass die Appelle der Kirchen an das Gewissen der Weißen in beschiedenem Maße zur Einführung einiger dieser Reformen beigetragen haben.  Doch können solche Reformen jemals als echte Veränderungen angesehen werden, als die Einführung wahrer und dauerhafter Gerechtigkeit?  Reformen, die von oben kommen, sind niemals befriedigend. Sie bewirken selten mehr, als dass die Unterdrückung noch wirksamer und noch akzeptabler wird.  Sollte der Unterdrücker jemals echte Veränderung bewirkende Reformen einführen, so wird dies nur aufgrund starken Drucks von Seiten der Unterdrückten geschehen können.

 

Wahre Gerechtigkeit, Gottes Gerechtigkeit, fordert eine radikale Veränderung der Strukturen, und diese kann nur von unten, von den Unterdrückten selbst kommen.  Gott wird die Veränderung durch die Unterdrückten herbeiführen, so wie er es mit den jüdischen Sklaven in Ägypten getan hat. Gott schafft seine Gerechtigkeit  nicht durch die Reformen der Pharaonen dieser Welt.

 

Warum also wendet sich die „Kirchentheologie“ eher an die Spitze der Gesellschaft als an das leidende Volk?  Warum fordert diese Theologie nicht, das die Unterdrückten selbst für ihre Rechte einstehen und ihren Unterdrückern den Kampf ansagen?  Warum sagt sie den Menschen nicht, dass es ihre  Aufgabe sei, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und die ungerechten Strukturen zu verändern?  Vielleicht liegt die Antwort auf diese Fragen in der Tatsache, dass Appelle von den „Spitzengremien“ der Kirchen sehr leicht dazu tendieren, Appelle and die „Spitzengremien“ der Gesellschaft zu sein.  Ein Appell an das Gewissen jener, die den Fortbestand des Unrechtssystems gewährleisten, ist notwendig.  Doch echte Veränderung und wahre Gerechtigkeit kann nur von unten kommen, von den betroffenen Menschen selbst – die meisten von ihnen sind Christen.

 

 

3.3         Gewaltlosigkeit

 

Es ist der Einstellung der „Kirchentheologie“ zur Gewaltlosigkeit, die sich in einer allgemeinen Verurteilung von allem, was sich mit Gewalt bezeichnen lässt, ausdrückt, nicht gelungen, Gewaltanwendungen in unserer Situation einzudämmen, sondern in Wirklichkeit wurde sie – obgleich unabsichtlich – zu einem entscheidenden Faktor für die neuerliche Eskalation der Gewalt ton Seiten des Staates.  Hier wird wiederum Gewaltlosigkeit zum absoluten Prinzip erhoben, angewandt auf alles, was irgendjemand Gewalt zu nennen beliebt, ohne Rücksichtnahme darauf, wer von dieser Gewalt Gebrauch macht, auf wessen Seite dieser steht und welches Ziel er anstrebt.  In unserer Situation kann diese Einstellung nur gegenteilige Auswirkungen haben.

 

Das Problem, das sich hier für die Kirche stellt, besteht in dem Gebrauch, den die Staatspropaganda von dem Wort Gewalt macht.  Der Staat und die Medien haben sich dafür entschieden, das, was Menschen in den Townships in ihrem Kampf um Befreiung tun, Gewalt zu nennen – nämlich das Werfen von Steinen, das in Brand stecken von Autos und Gebäuden und manchmal das Töten von Kollaborateuren.  Doch schließt dieses die strukturelle, institutionalisierte und uneinsichtige Gewaltanwendung des Staates aus, insbesondere die unterdrückerische und nackte Gewalt der Polizei und Armee.  Diese Dinge werden nicht als Gewalt bezeichnet. Selbst wenn „unangemessenes Vorgehen“ zugegeben wird, spricht man von „Verfehlungen“ oder sogar von „Verstößen“, doch niemals von Gewalt.  Deshalb bedeutet der Satz „Gewalt in den Townships“ nur das, was die jungen Leute tun, und nicht, was die Polizei oder die Apartheid als solche den Menschen antut.  Fordert man unter diesen Umständen Gewaltlosigkeit, so setzt man sich dem Verdacht aus, Kritik am Widerstand des Volkes zu üben, während man gleichzeitig die Ausübung von Gewalt seitens der Polizei und des Staates rechtfertigt oder zumindest übersieht.  So versteht es nicht nur der Staat und seine Anhänger, sondern auch die Menschen, die um ihre Freiheit kämpfen.  In unsere Lange ist Gewalt ein mit vielen Hypotheken belastetes Wort.

 

Es stimmt, dass auch in Erklärungen und Verlautbarungen der >Kirche das gewaltsame Vorgehen der Polizei verurteilt wird. Es heißt darin, dass die Kirche jede Anwendung von Gewalt ablehne. Doch ist es – insbesondere unter den gegebenen Umständen – berechtigt, das rücksichtlose und repressive Handeln des Staates einerseits und die verzweifelten Verteidigungsversuche des Volkes andererseits mit ein und demselben Wort zu bezeichnen, nämlich mit dem Wort „Gewalt“, deren Anwendung die „Kirchentheologie“ pauschal verurteilt?  Müssen derartige Abstraktionen und Verallgemeinerungen nicht für noch mehr Verwirrung sorgen?  Wie ist es möglich, Unerdrückung, Ungerechtigkeit und Domination mit Widerstand und Selbstverteidigung gleichzusetzen?  Wäre es berechtigt, beides – die physische Gewalt eines Sexualverbrechers und der physische Widerstand einer Frau, die sich wehrt – mit demselben Begriff „Gewalt“ zu bezeichnen?

 

Überdies finden sich weder in der Bibel noch in unserer christlichen Traditon Hinweise, die derartige Verallgemeinerungen zulasen würden.  Überall in der Bibel wird das Wort „Gewalt“ (violence) nur da gebraucht, wo das Tun eines gottlosen und bösen Unterdrückers beschrieben wird.  Zum Beispiel:

 

 

          Psalm 72,12-14

„Denn er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit,

 und den Elenden,  der keine Helfer hat.

Er wird gnädig sein den Geringen und Armen,

und den Armen wird er helfen.

  Er wird sie aus Bedrückung und Frevel erlösen,

 und ihr Blut ist wert geachtet vor ihm.“

 

Jesaja 59,1-8

Vers 6: „Ihre Gewebe taugen nicht zu Kleidern,

 und ihr Gespinst taugt nicht zur Decke.

 Ihre Werke sind Unheilswerke,

 and ihren Händen ist Frevel.“

 

Jeremia 22,13-17

Vers 17: „Aber deine Augen und dein Herz sind

auf nichts anderes aus

als auf unrechten Gewinn und darauf,

unschuldig Blut zu vergießen, zu freveln und

zu unterdrücken.“

 

Amos 6,3

„… die ihr meint, vom bösen Tag weit ab z sein,

 und trachtet immer nach Frevelregiment, …“

 

Micha 2,2

„Sie reißen Äcker an sich und nehmen Häuser,

 wie sie’s gelüstet. 

So treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause

und mit eines jeden Erbe.“

 

 

 

Micha 3,1-3

„… Ihr solltet die sein, die das Recht kennen.

Aber ihr hasset das Gute und liebet das Arge;

ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch

von ihren Knochen …“

 

Micha 6,12

„Ihr Reichen tun viel Unrecht,

und ihre Einwohner gehen mit Lügen um

und haben falsche Zungen in ihrem Halse.“

 

(Zitate zugefügt vom Übersetzer)

 

Das Wort „Gewalt“ (violence) wird niemals gebraucht, um das Vorgehen der Armen Israels in ihrem Widerstand gegen Aggression und ihrem Kapf um Befeiung zu beschreiben.  Wenn Jesus uns anweist, die andere Backe darzubieten so sagt er uns, das wir nicht Rache übern sollen; er sagt nicht, dass wir uns oder andere niemals verteidigen dürfen.  Die Anwendung physischer Gewalt (physical force), um sich gegen Tyrannen und Aggressoren zur Wehr zu setzen, ist in einer langen und gleichbleibenden christlichen Tradition begründet.  In anderen Worten: Es gibt Umstände, unter denen physische Gewaltanwendung (physical force) erlaubt ist.  Diese Umstände sind äußerst begrenzt – Gewalt darf nur als letzter Ausweg oder als das kleinere von zwei Übeln gelten oder, wie Bonhoeffer es nannte, „die geringere von zwei Möglichkeiten, schuldig zu werden.“ (Zum Problem bei Bonhoeffer vgl. Ges. Schriften III, S. 469. Anm. d. Übers.)  Es ist einfach nicht wahr, wenn gesagt wird, dass jegliche Anwendung physischer Gewalt mit Gewalttätigkeit gleichzusetzen und, unter welchen Umständen auch immer, niemals zulässig sei.

 

Das soll nicht heißen, dass es Menschen, die unterdrückt werden, erlaubt sei, zu jeder beliebigen Zeit ein beliebiges Maß an Gewalt (force) anzuwenden, nur weil sie um ihre Befreiung kämpfen.  Es hat Fälle gegeben, die kein Christ jemals gutheißen kann, in denen Menschen verletzt und getötet wurden.  Doch hier liegen die Gründe unserer Missbilligung in der Sorge um echte Befeiung und in der Überzeugung, dass derlei Vorkommnisse unnötig, ungerechtfertigt und kontraproduktiv sind, und nicht, weil solche Fälle unter die pauschale Verurteilung jeglicher Gewaltanwendung unter welchen Umständen auch immer fallen.

 

Was schließlich die erklärte Gewaltlosigkeit der „Kirchentheologie“ in den Augen vieler – uns selbst eingeschlossen – äußerst verdächtig macht, ist die stilschweigende Unterstützung, die der wachsenden Militarisierung des südafrikanischen Staates von Seiten vieler Kirchenführer zuteil wird. Wie ist es möglich, jede Gewaltanwendung zu verurteilen und dennoch Militärpfarrer zum Dienst in einer äußerst gewalttätigen und unterdrückerischen Armee zu ernennen?  Wie kann man Gewaltanwendung verurteilen und es dennoch zulassen, dass weiße junge Männer ihrer Einberufung in die Streitkräfte Folge leisten?  Ist es deshalb, weil die Einsätze von Polizei und Armee als Verteidigung angesehen werden?

 

Das wirft die äußerst ernste Frage auf, auf wessen Seite diese Kirchenführer wohl stehen mögen.  Warum gilt das Vorgehen der jungen Schwarzen in den Townships nicht als Verteidigung?

 

Auf wessen Seite man steht, scheint in der Praxis darüber zu entscheiden, was mit “Gewalt“ (violence) und was mit “Selbstverteidigung“ bezeichnet wird. Jeden Gebrauch physischer Gewalt (physical force) als „Gewalttätigkeit“ (violence) zu bezeichnen, ist ein Versuch, Neutralität zu wahren und sich zu weigern, selbst zu urteilen, wer im Recht und wer im Unrecht is.  Der Versuch, in diesem Konflikt neutral zu bleiben, ist sinnlos.  Neutralität ermöglicht den Fortbestand des status quo der Unterdrückung (und damit der Gewalttätigkeiten (violence)).  Es ist eine Haltung, die den Unterdrücker stillschweigend unterstützt.

 

3.4         Das Grundproblem

 

Es genügt nicht, Kritik an der „Kirchentheologie“ zu üben, wir müssen diese Kritik auch begründen.  Was steckt hinter den Fehlern, Missverständnissen und Unzulänglichkeiten dieser Theologie?

 

An erster Stelle möchte wir auf das Fehlen jeglicher sozialer Analyse hinweisen.  Wir haben aufgezeigt, wie die „Kirchentheologie“ dazu tendiert, sich absoluter Prinzipien wie Versöhnung, Verhandlung, Gewaltlosigkeit und friedlicher Lösungen zu bedienen, und diese unterschiedslos und unkritisch auf jede Situation anzuwenden.  Geringen Anstrengungen werden unternommen, um zu analysieren, was in unserer Gesellschaft vor sich geht und warum dem so ist.  Es ist nicht möglich, gültige moralische Urteile über eine Gesellschaft zu fällen, ohne überhaupt den Versuch gemacht zu haben, diese Gesellschaft zu verstehen.  Die Analyse der Apartheid, die der „Kirchentheologie“ zugrunde liegt, ist ganz einfach inadäquat.  Die gegenwärtige Krise hat sehr eindeutig zu Tage gebracht, dass die Bemühungen der Kirchenführer, wirksame und begehbare Möglichkeiten zur Veränderungen unserer Gesellschaft herbeizuführen, fehlgeschlagen sind.  Dieses Fehlschlagen ist in nicht geringem Maße der Tatsache zuzuschreiben, das die „Kirchentheologie“ keine Sozialanalyse entwickelt hat, die es ihr ermöglichen würde, die Mechanismen von Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu durchschauen.

 

In engem Zusammenhang damit steht der Mangel an angemessenem Verständnis für Politik und politische Strategie.  Grundlegend ist es Sache der Politik, die Strukturen einer Gesellschaft zu verändern.  Dies erfordert eine politische Strategie, die auf deiner klaren sozialen oder politischen Analyse aufgebaut ist.  Die Kirche muss sich diesen Strategien und der ihnen zugrundeliegenden Analyse zuwenden.  In diese politische Situation gilt es, das Evangelium hineinzutragen, jedoch nicht als Alternativlösung für unsere Probleme – so, als liefere uns das Evangelium unpolitische Lösungen für politische Probleme.  Es gibt keine spezifisch christliche Lösung.  Es wird Möglichkeiten geben , die politischen Lösungen christlich anzugehen, es wird eine im christlichen Glauben begründete Einstellung dazu und christlich motiviertes Handeln geben.  Aber es besteht keine Möglichkeit, Politik und politische Strategien zu umgehen.

 

Doch das Grundproblem haben wir noch immer nicht aufgezeigt.  Warum hat die “Kirchentheologie“ keine Sozialanalyse entwickelt?  Warum zeigt sie kein adäquates Verständnis für die Unabdingbarkeit politischer Strategien?  Und warum hat sie es zur Tugend erhoben, Neutralität zu wahren und am Rand zu sitzen?

 

Die Antwort muss in der besonderen Art des Glaubens und der Spiritualität gesucht werden, die jahrhundertelang das Kirchenleben bestimmt haben.  Wie wir alle wissen, war Spiritualität von jeher geneigt, eine Angelegenheit einer anderen Welt zu sein, die sehr wenig – wenn überhaupt etwas – mit den Dingen dieser Welt zu tun hat.  Soziale und politische Anliegen wurden als weltliche Angelegenheiten, die nichts mit dem geistlichen Auftrag der Kirche zu tun haben, abgetan.    Überdies wurde Spiritualität immer als rein privat und nur den Einzelnen betreffend verstanden.  Öffentliche Angelegenheiten und soziale Probleme wurden als außerhalb des Bereichs der Spiritualität liegend gesehen.  Und schließlich neigt die uns vererbte Spiritualität dazu, sich auf Gottes Eignreifen zu verlassen, das mit er zu seiner Zeit in der Welt in Ordnung bringe, was verkehrt sei. Außer für Gottes Eignreifen zu beten, bleibt de Menschen bei dieser Einstellung sehr wenig zu tun übrig.

 

Genau diese Auffassung von Spiritualität versetzt so viele Christen und Kirchenführer in einen fast gelähmten Zustand, wenn sie sich mit der gegenwärtigen Krise im Land konfrontiert sehen.

 

Es braucht hier  kaum gesagt zu werden, dass besagter Glaube und besagte Spiritualität jeder biblischen Grundlage entbehren.  Die Bibel trennt den Menschen nicht von der Welt, in der er lebt.  Sie trennt den Einzelnen nicht von der Gesellschaft oder das Privatleben vom öffentlichen Leben.  Gott erlöst den ganzen Menschen als Teil seiner ganzen Schöpfung (Römer 8,18-24).  Eine wahrhaft biblische Spiritualität  würde jeden Aspekt der menschlichen Existenz durchdringen und keinen Teil davon von Gottes Erlöserwillen ausschließen.  Der biblische Glaube hat für alles, was in dieser Welt geschieht, prophetische Relevanz. 

 

KAPITEL  VIER

 

AUF  DEM  WEG  ZU  EINER  PROPHETISCHEN  THEOLOGIE

 

Der KAIROS  dieser Zeit verlangt von den Christen eine biblische, geistliche, pastorale und vor allem eine prophetische Antwort.  In dieser Lage genügt es nicht, verallgemeinerte christliche Prinzipien zu wiederholen.  Wir brauchen eine mutige und präzise Antwort – eine Antwort, die prophetisch ist, weil sie die besonderen Gegebenheiten dieser Krise anspricht, – eine Antwort, die nicht den Eindruck erweckt, man halte sich zwischen den Fronten, sondern eine Antwort, die klar und eindeutig Stellung bezieht.

 

4.1         Soziale Analyse

 

Die vordringlichste Aufgabe einer prophetischen Theologie für unsere Zeit wäre der Versuch einer sozialen Analyse oder, was Jesus „über die Zeichen der Zeit urteilen“ (Matt. 16,3), bzw. „diese Zeit prüfen“ (ìnterpreting this KAIROS´) (Lk. 12,56) nennen würde.  Dies in aller Genauigkeit durchzuführen, ist in diesem Dokument nicht möglich, doch müssen wir zumindest mit den groben Umrissen einer Analyse des Konflikts einen Anfang machen.

 

Es wäre verfehlt, die gegenwärtigen Auseinandersetzungen einfach als Rassenkonflikt darzustellen.  Die Rassenkomponente ist zwar vorhanden, doch haben wir es nicht mit zwei ebenbürtigen Rassen oder Nationen mit eigenen egoi8stischen Gruppeninteressen zu tun.  Vielmehr müssen wir uns mit einer Situation der Unterdrückung auseinandersetzen. Der Konflikt spielt sich zwischen Unterdrückern und Unterdrückten ab und wird zwischen zwei nicht zu vereinbarenden Zielen oder Interessen ausgetragen.  Beim einen handelt es sich um eine gerechte Sache, beim anderen um eine ungerechte.

 

Auf der einen Seite stehen die Interessen jener, die vom status quo profitieren und die entschlossen sind, ihn um jeden Preis aufrechtzuerhalten, selbst zum Preis von Millionen von Menschenleben.  In ihrem Interesse liegt es, eine Anzahl von Reformen durchzuführen, die sicherstellen, dass keine radikale Systemveränderung stattfindet.  Sie müssen weiterhin, so wie auch in der Vergangenheit, vom System profitieren.  Sie  ziehen ihrem Nutzen aus dem System, das sie begünstigt und es ihnen ermöglicht, sich beachtlichen Reichtum anzueignen und einen außergewöhnlich hohen Lebensstandard aufrechtzuerhalten.  Es ist ihnen daran gelegen, dass dieser Zustand weiterhin erhalten bleibt, auch wenn einige Veränderungen notwendig zu werden scheinen.

 

Auf der anderen Seite finden sich jene, die in keinerlei Weise vom jetzigen System profitieren.  Sie werden lediglich als Arbeitseinheiten behandelt, erhalten Hungerlöhne, sind durch Wanderarbeit von ihren Familien getrennt, werden wie Vieh verladen und zum Verhungern in Homelands gesperrt – und alles zum Nutzen einer privilegierten Minderheit.  Sie haben keine Stimme im Regierungssystem und sollen auch noch für die Zugeständnisse dankbar sein, die man ihnen wie Brosamen anbietet.  Es liegt keineswegs in ihrem Interesse, den Fortbestand dieses Systems zuzulassen, selbst nicht in irgendeiner „reformierten“ oder „revidierten“ Form.  Sie sind nicht länger bereit, zertreten, unterdrückt und ausgebeutet zu werden.  Sie sind entschlossen, das System radikal zu verändern, so dass nicht mehr und die Privilegierten begünstigt werden.  Und sie sind bereit, dieses sogar unter Einsatz ihres eigenen Lebens zu tun.  Was sie wollen, ist Gerechtigkeit für alle.

 

So stellt sich unsere Lage dar – man kann sie als Bürgerkrieg oder als Revolution bezeichnen.  Die eine Seit ist entschlossen, das System um jeden Preis aufrechtzuerhalten, und die andere Seite ist ebenso entschlossen, es um jeden Preis zu verändern.  Wir haben es hier mit zwei entgegengesetzten Interessen zu tun.  Ein Kompromiss ist ausgeschlossen. Entweder gibt es für alle volle und gleiche Gerechtigkeit oder nicht.

 

Die Bibel hat zu einer solchen Auseinandersetzung sehr viel zu sagen, zu einer Welt, die sich in Unterdrücker und Unterdrückte aufteilt.

 

4.2         Unterdrückung in der Bibel

 

Suchen wir in der Bibel nach Aussagen zum Thema Unterdrückung, so entdecken wir – wie auch viele mit uns in der ganzen Welt diese Entdeckung machen – das Unterdrückung im Alten wie im Neuen Testament ein zentrales Thema ist.  Exegeten, die sich die Mühe gemacht haben, das Thema Unterdrückung in der Bibel zu untersuchen, haben erkannt, das es im Hebräischen nicht weniger als 20 Stammwörter gibt, um Unterdrückung zu beschreiben.    Wie ein Autor gesagt hat: Unterdrückung ist „eine grundlegende strukturelle Kategorie biblischer Theologie“ (T.D. Hanks, `God So Loved the Third World´, Orbis 1983, S.4):

 

Überdies ist die Beschrei bung von Unterdrückung in der Bibel konkret und anschaulich.  Die Bibel beschriebt Unterdrückung als Erfahrung des Menschen, in der er zertreten, entwürdigt, gedemütigt, ausgebeutet, verarmt, betrogen, irregeführt und versklavt wird.  Die Unterdrücker werden als grausam, rücksichtslos, arrogant, habgierig, gewalttätig, tyrannisch und als Feind dargestellt.  Derartige Beschreibungen können ursprünglich nur von Menschen verfasst worden sein, die lange und schmerzhafte Unterdrückung erfahren haben.  Und tatsächlich ist fast 90% der in der Bibel aufgezeichneten Geschichte des jüdischen Volkes und später der Christen die Geschichte nationaler oder internationaler Unterdrückung.  Die Nation Israel entstand auf dem Hintergrund der schmerzhaften Erfahrung von Unterdrückung und Repression als Sklaven in Ägypten.  Doch das Entscheidende für diese Gruppe unterdrückter Menschen war, dass Jahwe sich ihnen offenbarte.  Gott offenbarte sich als Jahwe, als der Eine, der sich der Leidenden erbarmt und der sie von ihren Unterdrückern befreit.

 

„Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.  Und ich bin hernieder gefahren, das ich sie errette aus der Ägypter Hand.  … Wie denn nun das Geschrei der Kinder Israel vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin …“ (2. Mose 3,7-9).

 

Überall in der Bibel zeigt sich Gott als der Befreier der Unterdrückten.  Er ist nicht neutral.  Er versucht nicht, Mose und Pharao miteinander zu versöhnen, die hebräischen Sklaven mit ihren ägyptischen Unterdrückern oder das jüdische Volk mit irgendeinem seiner späteren Unterdrücker zu versöhnen.  Unterdrückung ist Sünde, mit der kein Kompromiss eingegangen werden kann; sie muss beseitigt werden.  Gott stellt sich auf die Seite der Unterdrückten. Wie wir in Psalm 103,6 lesen:

 

„Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden“  („God, who does what ist right, is always on the side of the oppressed“)

 

Auch beschränkt sich diese Identifizierung mit den Unterdrückten nicht nur auf das Alte Testament.  Als Jesus in der Synagoge von Nazareth seinen Auftrag verkündete, benutzt er die Worte des Propheten Jesaja:

 

„Der Geist des Herrn ist bei mir, darum weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen;  Er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie los sein sollen, und den Blinden, dass sie sehend werden und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“ (Lukas 4, 18-19)

 

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass sich Jesus hier der Sache der Armen und Unterdrückten annimmt.  Er hat sich mit ihren Anliegen identifiziert.  Nicht dass er sich nicht um die Reichen und die  Unterdrücker gekümmert hätte.  Sie ruft er zur Buße auf.  Die unterdrückten Christen Südafrikas wissen seit langem, dass sie eins sind mit Christus in ihrem Leiden  Durch sein eigenes Leiden und seinen Tod am  Kreuz wurde er ein Opfer von Unterdrückung und Gewalt.  Er ist bei uns in unserer Unterdrückung.

 

4.3         Gewaltherrschaft in der christlichen Tradition

 

Die Auseinandersetzung mit Situationen der Unterdrückung hat eine lange christliche Tradition.  Das Wort, mit dem am häufigsten diese besondere Form der Sünde umschrieben wird, ist das Wort „Tyrannei“ – Gewaltherrschaft.  Ist es ohne jeden Zweifel erwiesen, dass eine Herrscher zum Tyrann geworden ist oder ein Regime Gewaltherrschaft ausübt – so besagt diese Tradition – hat er bzw.  das Regime das moralische Recht zu regieren verwirkt; dem Volk° fällt somit das Recht zum Widerstand zu und auch das Recht, Mittel zu finden, seine eigenen Interessen vor Ungerechtigkeit und Unerdrückung zu schützen.  In anderen Worten: Ein Gewalt ausübendes Regime ist moralisch nicht legitim.  Dieses Regime mag eine de facto Regierung sein, es mag sogar von anderen Regierungen anerkannt und deshalb eine de jure oder rechtmäß9ge Regierung sein.  Doch handelt es sich um ein Gewalt ausübendes, tyrannisches Regime, ist es vom moralischen und theologischen Standpunkt aus gesehen unrechtmäßig.  In der christlichen Tradition gibt es in der Tat Meinungsverschiedenheiten über die Mittel, von denen Gebrauch gemacht werden kann, um einen Tyrannen zu entmachten. Noch nie wurde jedoch unsere christliche Pflicht angezweifelt, Kooperation mit der Tyrannei zu verweigern und alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um sie abzuschaffen.

 

Es versteht sich von selbst, dass alles von der Definition abhängt, was ei Tyrann ist.  Z welchem Zeitpunkt wird eine Regierung zur Gewaltherrschaft?

 

Die traditionelle Definition eines Tyrannen lautet hostis bonis communis – ein Fein des Gemeinwohls.  Das Ziel einer jeden Regierung muss  die Förderung des sogenannten Gemeinwohls aller Regierteen sein.  Das Gemeinwohl fördern heißt, im Interesse und zum Nutzen aller Mensche zu regieren.  Manc einer Regierung gelingt es zeitweise nicht, diesem Anspruch gerecht zu werden. Einigen Menschen werden diese oder jene Ungerechtigkeiten zugefügt.  An solchen Verfehlungen muss in der Tat Kritik geübt werden. Doch gelegentliche Ungerechtigkeit macht aus einer Regierung noch  keinen Feind des Volkes – einen Tyrannen.

 

Um zum Feind des Volkes zu werden, muss die Regierung prinzipiell im Widerspruch zum Gemeinwohlstehen.  Eine solche Regierung würde fortwährend gegen die Interessen des Volkes als Ganzem handeln.  Dies würde am eindeutigsten in Fällen zutage treten, in denen die Regierungspolitik als solche dem Gemeinwohl feindlich gesinnt ist und in denen die Regierung ein Mandat hat, nur im Interesse eines Teils der Bevölkerung und nicht im Interesse des ganzen Volkes zu regieren.  Eine solche Regierung wäre im Prinzip nicht reformierbar.  Alle Reformversuche seitens der Regierung würden als nicht das Gemeinwohl fördernde beurteilt werden, sondern als den Interessen der Minorität dienend, von der die Regierung ihr Mandat hat.

 

Ein tyrannisches Regime kann nicht sehr lange regieren, ohne ständig mehr Gewalt anzuwenden.  In dem Maße, wie die Mehrheit des Volkes ihre Rechte fordert und den Tyrannen unter Druck setzt, wird der Tyrann mehr und mehr auf verzweifelte, grausame, rohe und rücksichtslose Formen der Gewaltherrschaft und Repression zurückgreifen.  Die Herrschaft eines Tyrannen enden immer mit der Herrschaft des Terrors.  Es ist unvermeidlich, weil der Tyrann von Anbeginn der Feind des Gemeinwohls ist.

 

Diese Beschreibung dessen was wir unter einem Tyrannen oder einer Gewaltherrschaft verstehen, lässt sich am besten mit den Worten eines bekannten Moraltheologen zusammenfassen: „… ein Regime, das sich in aller Offenheit als Feind des Volkes darstellt und das ständig und in gröbster Weise das Gemeinwohl verletzt.“ (B. Häring, The Law of Christ, Band 3, S. 150)

 

Dies hinterlässt nun die Frage, ob die gegenwärtige Regierung Südafrikas als Gewaltherrschaft bezeichnet werden kann oder nicht. Es kann keinen Zweifel darüber geben, was die Mehrheit der Menschen Südafrikas denkt.  Für sie ist das Apartheidregime in der Tat der Feind des Volkes, und genau so wird die Regierung auch genannt: der Feind.  Mehr als je zuvor hat das Regime in der gegenwärtigen Krise jede Legitimität, die es vielleicht einmal in den Augen des Volkes gehabt haben mag, verloren.  Hat das Volk recht oder ist es im Unrecht?

 

Apartheid ist ein System, in dem einem, von einem kleinen Teil der Bevölkerung gewählten Minderheitenregime, ein ausdrückliches Mandat verliehen wird, im Interesse und zum Nutzen des weißen Bevölkerungsteils zu regieren. Ein solches Mandat bzw. eine solche Politik ist per definitionem gegen das Gemeinwohl des Volkes gerichtet.  Und weil diese Regime im ausschließlichen Interesse der Weißen und nicht im Interesse aller zu regieren versucht, ist es in der Tat so weit gekommen, das es nicht einmal mehr im Interesse ebenjener Weißen regiert.  Es wird zum feind des ganzen Volkes,  zum Tyrannen, zum totalitären Regime, zum Terrorregime.

 

Dies bedeutet außerdem, dass das Minderheitsregime der Apartheid nicht reformierbar ist.  Wir können nicht erwarten, dass das Apartheidregime eine Bekehrung oder Änderung des Herzens erfährt und die Politik der Apartheid völlig aufgibt.  Dafür hat es kein Mandat von seinen Wählern.  Jegliche Reformen oder Berichtigungen, die das Regime durchführen wollte, müssten im Interesse seiner Wähler liegen.  Einzelne Regierungsmitglieder könnten eine echte Bekehrung erfahren du Buße tun.  Doch gesetzt den Fall, dies würde geschehen, so müssten sie die Konsequenzen ziehen und eine Regierung verlassen, die eben wegen ihrer Politik de Apartheid gewählt und eingesetzt wurde.

 

Deshalb sind wir in die gegenwärtige Sackgasse geraten.  In dem Maße, wie die unterdrückte Mehrheit immer mehr Widerstand leistet und den Tyrannen durch Maßnahmen wie Boykott, Streik, Aufstand, Brandstiftung und sogar bewaffneter Kampfmehr und mehr unter Druck setzt, in dem Maße wird diese Regime gewalttätiger werden. Einerseits wird es repressive Maßnamen ergreifen: Festnahmen, Verurteilungen, Hinrichtungen, Folter, Bannung, Propaganda, Ausnahmezustand und andere verzweifelte und gewalttätige Methoden.  Andererseits wird es Reformen einführen, die für die Mehrheit immer unannehmbar bleiben werden, weil alle Reformen die Gewähr bieten müssen, das die weiße Minderheit an der Spitze bleibt.

 

Ein Regime, das vom Prinzip her der Feind des Volkes ist, kann nicht plötzlich im Interesse des ganzen Volkes zu regieren beginnen.  Es kann nur durch eine andere Regierung ersetzt werden – durch eine Regierung, die von der Mehrheit des Volkes mit dem ausdrücklichen Mandat gewählt wurde, im Interesse des ganzen Volkes zu regieren.

 

Ein Regime, das sich zum feind des Volkes gemacht hat, hat sich demnach auch zum Feind Gottes gemacht.  Die Menschen sind zum bilde Gottes geschaffen, und was immer wir den Geringsten antun, tun wir Gott an (Matthäus 25, 45).

 

Wird hier gesagt, der Staat oder das Regime habe sich zum  Feind Gottes gemacht, so bedeutet das nicht, dass alle, die das Systeme unterstützen, sich dessen bewusst sind.  Im Großen und Ganzen wissen sie überhaupt nicht, was sie tun.  Die Regierungspropaganda hat vielen Menschen Sand in die Augen gestreut. Häufig leben sie in völliger Unkenntnis der Konsequenzen, die ihre Haltung nach sich zieht.  Durch diese Blindheit wird der Staat jedoch nicht weniger gewalttätig und nicht weniger zum Feind des Volkes und zum Feind Gottes.

 

Andererseits ist die Tatsache, dass der Staat tyrannisch und ein Feind Gottes it, keine Entschuldigung für Hass.  Als Christen sind wir dazu gerufen, unsere Feinde zu lieben (Matthäus 5,44).  Dort steht nicht , dass wir keine Feine haben werden oder haben sollen oder dass wir Gewaltherrschaften nicht als unsere tatsächlichen Feinde bezeichnen sollten.  Doch haben wir einmal unsere Feinde identifiziert, so müssen wir uns bemühen, sie zuleiben.  Das ist nicht immerleicht.  Doch dann dürfen wir nicht vergessen, dass die größte Liebe, die wir beiden – den Unterdrückten und unseren Feienden, den Unterdrückern – entgegenbringen, sich darin erweist, dass wir die Unterdrückung beseitigen, die Gewaltherrscher entmachten und eine gerechte Regierung zum Wohle aller  einsetzen.

 

4.4         Botschaft der Hoffnung

 

Im Zentrum des Evangeliums Jesu Christi und im Zentrum jedes wahren prophetischen Glaubens steht die Botschaft der Hoffnung.  In diesem Augenblick der Krise in Südafrika gibt es nichts, das notweniger und wichtiger wäre als die christliche Botschaft der Hoffnung.

 

Jesus hat uns gelehrt, von dieser Hoffnung als dem Kommen des Reiches Gottes zu sprechen.  Wir glauben, dass Gott in unserer Welt am Werk ist und  hoffnungslose und vom Bösen gezeichnete Situationen zum Guten werden kann, damit „Sein Reich komme“ und“ Sein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden“.  Wir Glauben, dass Gutes und Gerechtigkeit und Liebe am Ende triumphieren werden und dass Unerdrückung und Gewaltherrschaft nicht von ewiger Dauer sein können. Eines Tages wird Gott „abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offenbarung 7,17; 21,4) und „da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen“ (Jesaja 11,6). Wahren Frieden und wahre Versöhnung wünschen wir uns nicht nur – sie sind uns gewiss und versprochen.  Das ist unser Glaube und unsere Hoffnung.

 

Warum hat die „Kirchentheologie“ in ihren Erklärungen und Verlautbarungen diese vollmächtige Botschaft der Hoffnung nicht herausgestellt?  Vielleicht weil sich die Kirchenführer an die Unterdrücker und nicht an die Unterdrückten gewandt haben?  Vielleicht um die Unterdrückten nicht zu ermutigen, sich allzu viele und zu große Hoffnungen zu machen?

 

In dem Maße, wie sich die Krise tagtäglich zuspritzt, haben beide – Unterdrücker wie Unterdrückte – das Recht, von den Kirchen eine Botschaft der Hoffnung zu fordern. Die meisten der unterdrückten Menschen in Südafrika sind nicht ohne Hoffnung;  das gilt ganz besonders für die Jugend. Sie handeln mutig und ohne Furcht, weil sie die Gewissheit haben, dass die Befreiung kommen wird. Oft genug wird ihr Körper getötet, doch es gibt jetzt nichts mehr, das ihren Geist und ihre Hoffnung töten kann.  Doch Hoffnung braucht Bestätigung. Hoffnung muss genährt und gestärkt werden.  Hoffnung muss verbreitet werden.  Den Menschen muss immer und immer wieder gesagt werden, dass Gott auf ihrer Seite ist.

 

Andererseits sind die Unterdrücker und jene, die ihrer Propaganda Glauben schenken, voll verzweifelter Angst.  Man muss ihnen das teuflisch Böse des gegenwärtigen Systems klarmachen, und sie müssen zur Buße gerufen werden, doch m an muss ihnen auch etwas geben, worauf sie ihre Hoffnung setzen können.  Im Augenblick hegen sie falsche Hoffnungen.  Sie hoffen, den status quo und ihre Sonderrechte – mit einigen Einschränkungen vielleicht – aufrechtzuerhalten, und sie fürchten jede echte Alternative.  Doch sie können auf weit mehr als das Hoffen und haben nichts zu fürchten. Kann ihnen da die christliche Botschaft der Hoffnung nicht Hilfe geben?

 

Es gibt Hoffnung.  Es gibt Hoffnung für uns alle. Doch der Weg auf diese Hoffnung hin wird ehr schwer und sehr schmerzhaft sein.  Auseinandersetzung und Kampf werden sich in den vor uns liegenden Monaten und Jahren verstärken, denn es gibt keine andere Möglichkeit, Ungerechtigkeit und Unerdrückung zu beseitigen.  Doch Gott ist mit uns.  Wir können nur lernen, Werkzeuge seines Friedens zu werden, selbst bis in den Tod.  Wir müssen am Kreuzestod Christi teilhaben, wenn wir die Hoffnung auf die Teilhabe an seiner Auferstehung unser eigen nennen wollen.

 

KAPITEL  FÜENF

 

HERAUSFORDERUNG  ZUM  HANDELN

 

5.1         Gott steht auf der Seite der Unterdrückten

 

Sagt man heute, die Kirche müsse sich nun eindeutig und konsequent auf die Seite der Armen und Unterdrückten stellen, so überseiht man die Tatsache, dass die Mehrzahl aller Christen in Südafrika dies bereits getan hat. Der bei weitem größte Teil der Kirch ein Südafrika ist arm und unterdrückt.  Natürlich kann nicht selbstverständlich angenommen werden, dass jeder, der unterdrückt ist, den Kampf aufgenommen hat und  für seine Befeiung kämpft.  Noch kann angenommen werden, dass sich alle unerdrückten Christen der Tatsache voll bewusst sind, dass ihre  Sache Gottes Sache ist.  Trotzdem ist es wahr, dass die Kirch bereits auf Seiten der Unterdrückten steht, denn dort findet sich die Mehrheit ihrer Mitglieder. Dieser Tatbestand muss von der ganzen Kirche anerkannt und bestätigt werden.

 

Am Anfang dieses Dokumentes wurde aufgezeigt, dass die gegenwärtige Krise die Spaltungen in der Kirche zutage gebracht hat.  Wir sind aus genau dem Grund eine gespaltene Kirche, weil nicht alle Mitglieder unserer Kirchen Stellung gegen die Unterdrückung bezogen haben.  In anderen Worten: Nicht alle Christen sind eins mit dem Gott, von dem es heißt: „Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden“ (Psalm 103,6).

 

Was die gegenwärtige Krise anlangt, gibt es nur einen Weg zur Einheit der Kirche, nämlich den Weg, auf dem jene Christen, die auf der Seite des Unterdrückers oder zwischen den Fronten stehen, auf die andere Seite hinüberwechseln, um mit den Unterdrückten im Glauben und im Handeln vereint zu sein.  Einigkeit und Versöhnung innerhalb der Kirche selbst ist nur im Einssein mit Gott und Jesus Christus möglich, und sie sind auf der Seite der Armen und Unterdrückten.

 

Wenn die Kirche sich dahingehend verändern und dies zu ihrem erklärten Ziel machen soll – wie müssen dann diese neuen Erkenntnisse in konkretes und wirksames Handeln umgesetzt werden?

 

5.2         Teilnahme am Kampf

 

Tun sie es nicht bereits, so müssen sich Christen ganz einfach an dem Kampf für Befreiung und für eine gerechte Gesellschaft beteiligen. Die Aktionen der Bevölkerung – vom Verbraucherboykott bis zum Niederlegen der Arbeit – müssen von der Kirche ermutigt und unterstützt werden.  Manchmal wird Kritik notwendig sein, doch Ermutigung und Unterstützung werden ebenso notwendig sein. Anders ausgedrückt:  Die gegenwärtige Krise fordert die ganze Kirche dazu heraus, ihr geistliches Amt nicht mehr lediglich als „Ambulanz-Dienst“ zu verstehen, sondern als Engagement und Teilnahme am Kampf.

 

5.3         Veränderung kirchlicher Aktivitäten

 

Die Kirche hat ihre eigene besondere Veranstaltungen: Sonntagsgottesdienste, Abendmahlsgottesdienst, Taufen, Kindergottesdienste, Beerdingungen usw. Außerdem hat die Kirche ihre eigene Sprache, mit der sie ihren Glauben und ihre Verpflichtungen ausdrückt, zum Beispiel in de form von Glaubensbekenntnissen.  Diese kirchlichen Handlungen müssen neue Formen finden, um eine noch größere Übereinstimmung mit einem prophetischen Glauben zu erzielen, der auf den KAIROS, den Gott uns heute anbietet, bezogen ist.  Die bösen Kräfte, von denen wir in der Taufe sprechen, müssen beim Namen genannt werden.  Wir wissen, was diese bösen Kräfte im heutigen Südafrika sind.  Auch das Einssein und Miteinanderteilen, zu dem wir uns in unseren Abendmahlsgottesdiensten oder Messen bekennen, muss beim Namen genannt werden.  Es bedeutet die Solidarität der Menschen untereinander, die alle zum Kampf um Gottes Frieden für Südafrika einlädt.  Die Buße, die wir predigen, muss beim Namen genannt werden.  Es ist Buße für unser Schuldigwerden an Leid und Unterdrückung im Land.

 

Vieles, was wir in unseren Gottesdiensten tun, hat für  die unterdrückten seine Bedeutung verloren.  Unser Gottesdienste haben sich den Bedürfnissen des Einzelnen nach Trost und Sicherheit angepasst.  Nun müssen eben diese kirchlichen Handlungen neue formen erhalten, um den echten religiösen Bedürfnissen aller Menschen z dienen und um den befreienden Auftrag  Gottes und de Kirche in dieser Welt zu verbreiten.

 

5.4         Besondere Aktionen

 

Über ihre normalen Aktivitäten hinaus müsste die Kirche Sonderprogramme, Aktionen und Kampagnen entwickeln, bezogen auf die besonderen Erfordernisse des Befeiungskampfes in Südafrika. Doch hier ist besondere Vorsicht geboten.  Die Kirche muss es vermeiden, zur „Dritten Kraft“ zu werden, die zwischen den Unterdrückern und den Unerdrückten steht.  Die Programme und Kampagnen der Kirche dürfen kein Duplikat dessen sein, was die bestehenden Organisationen bereits unternehmen, und – was noch ernster genommen werden muss: Die Kirche darf keine Verwirrung bringen, indem sie Programme entwickelt, die dem Kampf der politischen Organisationen, die die echten Anwälte der Klagen und Forderungen der Bevölkerung sind, entgegenlaufen.  Gegenseitige Konsultationen, Koordination und Kooperation werden vonnöten sein. Wir streben alle dasselbe Ziel an, auch wenn wir unterschiedlicher Auffassung über die endgültige Bedeutung dessen sind, wofür wir uns einsetzen.

 

 

5.5         Ziviler Ungehorsam

 

Steht die Tatsache fest, dass das gegenwärtige Regime keine moralische Legitimität hat und in der Tat ei tyrannisches System ist, hat dies gewisse Folgen für die Kirche und ihre Handlungsweisen.

 

Erstens: Die Kirche dar mit einem System der Gewaltherrschaft nicht kooperieren.  Sie darf oder sollte nichts tun, das einem moralisch nicht legitimen Regime den Anschein der Legitimität gibt.

 

Zweitens: Die Kirche sollte nicht nur für einen Regierungswechsel beten, sondern sollte in jeder Gemeinde ihre Mitglieder mobilisieren, darüber nachzudenken und dafür zu arbeiten und zu planen, wie ein Regierungswechsel in Südafrika zu erreichen ist.  Wir müssen vorwärts blicken und uns jetzt mit fester Hoffnung und zuversichtlichem Glauben für eine bessere Zukunft einsetzen.

 

Und schließlich bedeutet die moralische Unrechtmäßigkeit des Apartheidregimes, dass sich die Kirche zu gewissen Zeiten in Akitonen des zivilen Ungehorsams engagieren muss.  Eine Kirche, die ihre Verantwortung in dieser Lage ernst nimmt, wird sich manchmal dem Staat widersetzen und ihm den Gehorsam verweigern müssen, weil sie Gott gehorcht.

 

 

5.6         Geistige Führerschaft

 

Besonders inmitten unserer gegenwärtigen Krise erwarten die Menschen von der Kirche geistige Führerschaft.  Um dieser Erwartung gerecht zu werden, muss die Kirche zuerst ihren Standpunkt eindeutig festlegen und niemals müde werden, den Menschen ihren Standpunkt zu erklären und mit ihnen darüber im Dialog zu bleiben.  Dann  muss sie den Menschen helfen, ihre Rechte und Pflichten zu verstehen.  Es darf kein Missverständnis darüber bestehen, dass es die moralische Pflicht aller Unterdrückten ist, der Unterdrückung Widerstand zu leisten und für Befreiung und  Gerechtigkeit zu kämpfen. Ebenso wird die Kirche auch einsehen, dass sie manchmal Exzesse eindämmen und an das Gewissen jener appellieren muss, die gedankenlos und unkontrolliert handeln.

 

Doch die Kirche Jesu Christi ist nicht dazu gerufen, eine Bastion der Vorsicht und Mäßigung zu sein.  Die Kirche muss die Menschen herausfordern, inspirieren und motivieren.  Sie hat eine Botschaft vom Kreuz, die uns dazu inspiriert, für Gerechtigkeit und Befreiung Opfer zu bringen.  Sie hat eine Botschaft der Hoffnung, die uns dazu herausfordert, wach zu werden und mit Hoffnung und Vertrauen zu handeln.  Die Kirche muss diese Botschaft nicht nur in Worten, Predigten und Erklärungen verkünden, sondern auch durch ihre Aktionen, Programme, Kampagnen und Gottesdienste.

 

Schlussfolgerung

 

Wie wir bereits gesagt haben ist diese Dokument nicht endgültig.  Es ist unser Hoffnung, dass es Diskussion, Gespräch, Reflexion und Gebet anregen, aber vor allem zum Handeln führen wird.  Wir fordern alle verpflichteten Christen auf, diese Sache weiter zu verfolgen, mehr nachzuforschen, die Themen die wir hier angesprochen haben, weiterzuentwickeln oder Kritik an ihnen zu üben und mit den Fragen unserer Zeit zur Bibel zurückzukehren, so wie wir es versucht haben.

 

Obwohl dieses Dokument verschiedene Arten des Engagements andeutet, schreibt es dem Einzelnen eine bestimmte Handlungsweise nicht vor.  Wir rufen alle, die sich dieser prophetischen Theologie verpflichtet wissen, dazu auf, das Dokument großen und kleinen Gruppen zur Diskussion vorzulegen, um ihrer jeweiligen Situation entsprechend das richtige Vorgehen festzulegen und sich mit anderen Gruppen und Organisationen zusammenzutun.

 

Die hier vorgestellte Herausforderung zur Erneuerung und zur Tat ist an die Kirche gerichtet. Doch das soll nicht heißen, dass sie n ur für die Kirchenführer gedacht ist.  Die Herausforderung des Glaubens und des KAIROS unserer Zeit ist an alle gerichtet, die sich Christen nennen.  Keiner von uns darf es sich bequem machen und darauf warten, was unsere Kirchenführer oder sonst jemand uns zu tun heißen.

 

Wir alle müssen Verantwortung zum Handeln und zur Verwirklichung unseres christlichen Glaubens in dieser Lage übernehmen.  Wir bitten darum, dass Gott uns allen helfen möge, die Herausforderungen unserer Zeit in die Tat umzusetzen.

 

Wir als Theologen (Laien- und Berufstheologen) fühlten uns durch unser eigens Nachdenken äußerst herausgefordert; durch den gegenseitigen Gedankenaustausch und unsere Entdeckungen, die wir beim Treffen in kleineren und größeren Kreisen bei der Vorbereitung und Arbeit an diesem Dokument gemacht haben.  Wir sind überzeugt, dass diese Herausforderung von Gott kommt und an uns alle gerichtet ist.  Wir betrachten diese Krise oder KAIROS in der Tat als Heimsuchung Gottes.

 

Zum Schluss möchten wir unsere Brüder und Schwestern in der ganzen Welt bitten, uns in dieser Angelegenheit ihre notwendige Unterstützung zu geben, damit dem täglichen Verlust so vieler junger Menschenleben ein schnelles Ende gesetzt werden kann.

 

 

Unterzeichner des Dokumentes

 

1.  Dr. J.C. Adonis                        Belydendekring

2.  L.A. Appies                            Dutch Reformed MissionChurch

  1. Ms. Mary Armour           Roman Catholic Church
  2. Dr. J-F. Bill                             Evangelical Presbyterian Church
  3. Rev. N. Bixa                           MethodistChurch
  4. Rev. A. Bhiman                       Dutch Reformed MissionChurch
  5. Rev N. Botha                          Dutch Reformed MissionChurch
  6. Rev. A. Boer                          Dutch Reformed MissionChurch
  7. Rev. A. Booyse                       A.M.E.

10. Rev. A.S. Brews            Methodist

11. Rev. J. Carnow                       A.M.E.

12. Sis. F. Cassiy                          Roman Catholic Church

13. Mr. Tony Chetty            Roman Catholic Church

14. Rev. F. Chikane                      Apostolic FaithMissionChurch

15. Dr. J. Cochrane                       United Congregational Church

16. Rev. R. Cochrane           LutheranChurch

17. Dr. G.D. Cloete                       Dutch Reformed MissionChurch

18. Mr. W. cloete                         Sending Kerk

19. Mr. Roy Crowder           MethodistChurch

20. Canon C. Davids            Anglican

21. Mr. Mike Deeb                        Roman Catholic Church

22. Mr. S. De Gruchy           United Congregational Church

23. Prof. J.w. De Gruchy                United Congregational Church

24. Rev. J. De Waal                      Dutch Reformed MissionChurch

25. Dr. W. Domeris                       Anglican

26. Rev. J.H. Dyers                       Anglican

27. Ms. J.W. Engelbrecht               Assemblies of God

28. Mr. P.A. Germond                   Anglican Church

29. Dr. B. Goba                           United Congregational Church

30. Fr. G. gobaiyer                       Roman Catholic Church

31. Rev. S. Govender                    Dutch Reformed MissionChurch

32. Dr. T.S.N. Gqubule                  MethodistChurch

33. Sis. Aine Hardiman                   Roman Catholic Church

34. Sis. Clare Harkin            Roman Catholic Church

35. Rev. A. Hendricks          MethodistChurch

36. Fr. BBasil Hendricks                 Roman Catholic Church

37. Rev. B. Hoorn                        A.M.E.

38. Rev. R. Jacobus                      Dutch Reformed MissionChurch

39. Dr. Lizo Jafta                          MethodistChurch

40. Ms. Jaye Joubert           Methodist

41. Mr K. Keifer                            GermanLutheranChurch

42. Rev. H.M. Koaho           Belydendekring

43. Rev. J.N.J. Kritzinger                Belydendekring

44. Rev. C. Langenveld                  Roman Catholic Church

45. Rev. T. Lester                        Anglican

46. Mr. J. Liddel                           MethodistChurch

47. Ms. L. Liddell                          MethodistChurch

48. Rev. A.M. Lindhorst                 Anglican

49. Mr. D. Loff                             United Congregational Church

50. Mr Wesley Mabuza                  MethodistChurch

 

51. Venerable Archdeacon E. Mackenzie     Anglican

 

52. Prof. S.S. Maimela                   Evangelical Lutheran Church

 

53. Rev. J.F. Mahlasela                  MethodistChurch

 

54. Rev. C.J. Marin                       United Congregational Church

 

55. Rev. P.N. Mentor           A.M.E.

 

56. Rev. Kenosi Mofokeng             NationalBaptistChurch

 

57. Dr. E.D. Mgojo                       MethodistChurch

 

58. Fr. S. Mkhatshwa           Roman Catholic Church

 

59. Mr. Peter Moll                         United Congregational

 

60. Fr. M.S.L. Monjane                  Anglican

 

61. Dr. M. Motlhabi                       Roman Catholic

 

62. Rev. M. Mpumlwana                Order of EthopianChurch

 

63. Dr. B. Naude                          N.G. Kerk

 

64. Dr. Margaret Nash                   Anglican

 

65. Sis. B. Ncube                          Roman Catholic Church

 

66. Pastor Z. Netuch            LutheranChurch

 

67. Rev. H. Ngada                        United Independent Belieber in Christ

 

68. Fr. S. Ntwasa                         Anglican

 

69. Rev. T.W. Ntongana                Apostolic MethodistChurch of S.A.

 

70. Dr. A. Nolan                           Roman Catholic Church

 

71. Mr. R. Nunes                          Roman Catholic Church

 

72. Rev. M. Nyawo                       Evangelical Presbyterian Church

 

73. Fr. R. O’Rouke                        Roman Catholic Church

 

74. Rev. C. Onthong            Anglican

 

75. Rev. T. Pearce                        Anglican

 

76. Rev. G.B. Peter                       Reformed Church in Africa

 

77. Ms. Debora Petta          United Congregational Church

 

78. Mr. R.E. Phillips                       Anglican

 

79. Rev. Robin Peterson                United Congregational Church

 

80. Mr. V. P. Peterson                   Anglican

 

81. Ms. Heather Peterson               United Congregational Church

 

82. Canon G. Quinlan           Anglican

 

83. Rev. C. Sampson           Anglican

 

84. Fr. L. Sebidi                           Roman Catholic Church

 

85. Prof. G.Setiloane           Roman Catholic Church

 

86. Rev. J.N. Silwanyana                MethodistChurch

 

87. Rev. A.L. Smith                       Anglican

 

88. Rev. Z. Somana            MethodistChurch

89. Fr. Thami Tana                       Roman Catholic Church

90. Mr. S. Thaver                         Reformed Church in Africa

91. Mr. B. Theron                         United Congregational Church

92. Rev. M. Tisani                        Anglican Church

93. Rev. S. Titus                          United Congregational Church

94. Fr. B. Tlhagale                        Roman Catholic Church

95. Rev. M. Tsele                         LutheranChurch

96. Rev. J. Tshawane          Evangelical Presbyterian Church

97. Rev. Van Den Heever              Sendig Kerk

98. Mr. K. Vermeulen           MethodistChurch

99. Dr. C. Villa-Vincencio                MethodistChurch

  1. Rev.A.Visagie           Dutch Reformed MissionChurch
  2. Rev. H. Visser          Sending Kerk
  3. Rev. M.R. Vithi                   MethodistChurch
  4. Dr. C.A. Wanamaker United Congregational church
  5. Rev. M.I. Weder                Anglican
  6. Rev. D. White          Anglican
  7. Ms. J. Williams                   Anglican
  8. Rev. B. Witbooi                 Anglican
  9. Fr. A. Winston                   Roman Catholic Church
  10. Mr. R.G. Wortley                Anglican Church
  11. Rev. B.B. Finca                  Reformed Presbyterian Church
  12. Rev. Z. Mokhoebo             N.G. Kerk
  13. Ms. S. Brittor           Anglican
  14. Rev. D.N. Goga                 Reformed Presbyterian Church
  15. Mr. Paul Graham                Methodist
  16. Rev. G. Grosser                 GermanLutheranChurch
  17. Rev. B. Habelgaarn   Moravian
  18. Rev. Frans Kekana             International Assemblies of God
  19. Dr. W. Kistner          Lutheran
  20. Rev. C.T. Kokoali               Anglican
  21. Rev. Charl le Roux              Dutch
    Reformed Church
  22. Rev. C.W. Leeuw               Reformed Presbyterian Church
  23. Rev. P.T. Letlala                Anglican
  24. Rev. Gerrie Lubbe              Reformed Church of S.A.
  25. Mrs M. Mabaso                  Lutheran
  26. Rev. Lucas Mabusela N.G. Kerk
  27. Rev. Maake Masango          Presbyterian Church
  28. Rev. S. Masemola              Anglican
  29. Mrs. S. Mazibuko               Roman Catholic Church
  30. Rev. O. Mbangula              Methodist
  31. Rev. G.T. Mooteli               Reformed Presbyterian Church
  32. Rev. M. Mnguni                  Lutheran
  33. Rev. S. Mogoba                 Methodist
  34. Mr. C. Molebatsi                EbenezarEvangelicalChurch
  35. Mrs. B. Mosala                  Roman Catholic Church
  36. Vicar F. Müller          Lutheran
  37. Mrs M. Mxadana                Anglican
  38. Mrs. L. Myeza                   Methodist
  39. Rev. S.B. Ngcobo               Reformed Presbyterian Church
  40. Rev. D. Nkwe          Anglican
  41. Rev. P.A. Nordengen Lutheran
  42. Rev. R.T. Nyanela              Reformed Presbyterian Church
  43. Mrs. Al Rathebe              Anglican
  44. Rev. W. Saayman              Dutch Reformed Church
  45. Rev. Nico Smith                 N.G. Kerk in Afrika
  46. Rev. E.T. Soeldner              Lutheran
  47. Rev. M.A. Stofile                Presbyterian Church
  48. Fr. F. Synnott          Roman Catholic Church
  49. Rev. E. Tema                    N.G. Kerk in Afrika
  50. Rev. B. Tshipa                   Lutheran
  51. Rev. Stemphen Warnes       Anglican
  52. Fr. X. Keteyi            Roman Catholic Church

 

We realise that many others would probably have wanted to add their names to this list.  Unfortunately, for a variety of reasons including time, distance and availability, we were not able to reach everyone who might have been interested.

 

 

http://www.benkhumalo-seegelken.de/suedafrika.html

30.04.2004

 

 


RESEARCH UNIT ON LIBERATORY PROCESSES  IN PRE-  AND POST-COLONIAL SOUTHERN AFRICA (RULPSA)

Dr. Ben  Khumalo-Seegelken,

KwaMachanca, Alte Ziegelei 4,  D-26197 HUNTLOSEN,  eJalimane/Deutschland

Tel/Fax 0(9 49)4487-750285

khumalo-seegelken@t-online.de 

 

  • · Das KAIROS-Dokument ist ein christlicher, biblischer und theologischer Kommentar besorgter Christinnen und Christen in Südafrika zur tiefen Krise in ihrem Land 1985. 

 

Als das Apartheidregime Mitte 1985 den „Ausnahmezustand“ erklärte und infolge dessen immer mehr Menschen getötet, verstümmelt und ins Gefängnis geworfen wurden, als eine schwarze Township nach der anderen sich gegen Gesetze und Verordnungen der Apartheid auflehnte, als immer mehr Menschen sich – täglich den Tod vor Augen -, gegen die Unterdrückung wehrten und sich weigerten, Unrecht und Erniedrigung tatenlos hinzunehmen, und als die Armee der Apartheid in die Townships einrückte, um mit Gewehren ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten, trafen sich über diese Situation besorgte Theologinnen und Theologen mit dem dringenden Bedürfnis, sich eingehend mit den aktuellen Entwicklungen zu befassen und darüber nachzudenken, welches die richtige und angemessene Reaktion der Kirchen und aller Christinnen und Christen in Südafrika sein müsste.

 

Das Dokument in der hier vorgelegten Form wurde im September 1985 veröffentlicht.  Es beschreibt den bis dahin geführten Diskussionsprozess, der fortgesetzt wird und zu dem nun auch die Partnerinnen und Partner aus der weltweiten Ökumene mit ihren Beiträgen gebeten sind. (Redaktion: Evangelische Pressestelle für Weltmission, Hamburg. EMW-Informationen Nr. 64/1985. ISSN 0175-7695).  Abschrift: Dr. Ben Khumalo-Seegelken, KwaMachanca, Alte Ziegelei 4, D-26197 HUNTLOSEN, eJalimane/Deutschland, Tel/Fax 0(9 49)4487-750285 khumalo-seegelken@t-online.de , 30.04.2004.

* „cassspirs“ und „hippos“ sind beides gepanzerte Militärfharzeuge im Einsatz in den Townships.  Vom Turm der „casspirs“ wird Tränengas verschossen.  (Anm. d. Übers.)

 

° Wir halten an dem Begriff „Volk“ als Übersetzung von „the people“ fest, auch wenn dieser Begriff in der deutschen Sprache unpräzise und geschichtlich belastet ist. (Anm.d.Übers.)

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